Die Papageiamadinen
sind eine Gruppe von Prachtfinken, die sich von den übrigen Arten etwas abgrenzen, sei es im Aussehen, von der Ernährung oder in ihrem Verhalten. Die einzige Prachtfinkenart die den Papageiamadinen verwandtschaftlich nahe steht, ist die australische Gouldamadine. Diese ähnelt im Gesang den malayischen Arten Manila, Lauchgrüne und Bambus. Auch die Rachenzeichnung und die Leuchtpapillen in den Schnabelwinkeln erinnern an die einiger Papageiamadinen.
Die Bezeichnung Papageiamadinen verdanken die Vögel ihrer etwas gebogenen First des Oberschnabels. Dieses Merkmal ist bei einigen Arten sehr deutlich erkennbar, während es bei anderen Arten fast kaum zu sehen ist.
Das Verbreitungsgebiet der Papageiamadinen erstreckt sich von Südost-Asien (Laos, Thailand, Kambodscha, Vietnam, Malaysia) über die großen und die kleinen Sundainseln bis nach Neuguinea und die Kap-York-Halbinsel Australiens, weiterhin von Neuguinea über das Bismarck-Archipel, die Salomonen und Vanuatu bis nach Neukaledonien. Außerdem sind Papageiamadinen noch auf den Philippinen, auf einigen Inseln Mikronesiens sowie auf Fidschi und Samoa beheimatet.
Das größte Verbreitungsgebiet bewohnt die Dreifarbige-Papageiamadine und bildet auch die größte Anzahl an Unterarten. Einige ihrer Unterarten sind reine Inselformen, andere, wie sigillifera bewohnen recht große zusammenhängende Gebiete. Auch die Bambus-Papageiamadine bewohnt viele Inseln. Sie bildet ebenfalls eine Reihe von Unterarten die ihr Verbreitungsgebiet auf diese beschränkt haben. Während die Unterschiede der Unterarten bei den Dreifarbigen nur geringfügig sind, sind diese bei den Bambus zum Teil recht deutlich erkennbar. Eine weitere Art, die Aufgrund ihrer natürlichen Variation Unterarten bildet, ist die Kurzschwanz-Papageiamadine. Da sich die Verbreitung dieser Art nur auf eine Inselgruppe beschränkt, sind hier die Unterschiede der Unterarten kaum zu erkennen. Als letzte Art die noch Unterarten bildet, sei die Lauchgrüne Papageiamadine genannt. Von dieser ist die Unterart coelica wohl noch nie importiert worden. Eine Besonderheit zeichnet die Lauchgrüne aus. Außer der rotbäuchigen Form gibt es noch eine gelbbäuchige bei der alle roten Gefiederpartien durch gelbe ersetzt sind. Diese gelbbäuchigen Vögel leben mit den rotbäuchigen der Nominatform in den selben Schwärmen. Alle übrigen Arten bilden keine Unterarten.
In der Hauptsache ernähren sich die Papageiamadinen von Gras- und Krautsamen. Einige Arten nehmen sehr gern Bambussamen und halbreifen Reis auf, während einige pazifischen Arten sich an den Samen der Wildfeigen genüßlich tun. Eine Ausnahme bildet hier wohl die Kleinschmidts-Papageiamadine, die wohl die einzige Papageiamadine ist, die man als Fruchtfresser bezeichnen kann. Sie nimmt nicht nur die Feigensamen, sondern auch das Fruchtfleisch zu sich. Animalische Futterstoffe werden zwar auch recht gern genommen, hauptsächlich während der Brutzeit, spielen aber im Ernährungsplan der Papageiamadinen keine übergeordnete Rolle.
Zu dem Balzgehabe einiger Arten gehört das sogenannte Jagen des Weibchens. Dabei wird es vom Männchen solange durch das Geäst der Bäume verfolgt, bis es eingeholt wird. Bei manchen Arten folgt dann eine Kopulation die eher einer Vergewaltigung gleicht, wobei sich das Männchen im Nacken des Weibchens fest beißt. Dieses Jagen des Weibchens ist bei manchen Arten sehr intensiv, bei anderen weniger stark ausgeprägt. Am stärksten ausgeprägt ist es bei der Dreifarbigen-Papageiamadine, weswegen sie bei vielen Züchtern nicht sehr beliebt ist. Man muß dieses Verhalten bei der Unterbringung in Käfigen und Volieren natürlich berücksichtigen, sonst könnte es durchaus zum Verlust des Weibchens führen.
In der Regel sind die bei uns gehaltenen Papageiamadinen recht gute Zuchtvögel, bis auf wenige Ausnahmen. Oftmals ist es bei der Zucht so, daß die Jungen der vorigen Brut gerade ausgeflogen sind, während das Weibchen bereits das nächste Gelege bebrütet, also ein Ineinanderschachteln der Bruten geschieht. Durch diese Schachtelbruten ist es natürlich nicht leicht den Vögeln nur drei Bruten zu gestatten, denn meistens sitzt das Weibchen ja schon auf dem vierten Gelege. Abhilfe schafft hier oftmals nur das Herausfangen der gesamten Familie sobald die Jungen ausgeflogen sind, oder ein Austausch der zuletzt gelegten Eier durch Kunsteier. Die meisten jungen Papageiamadinen sind bereits sehr früh geschlechtsreif, oftmals schon mit ca. 6 Monaten. Man sollte mit dem Ansetzen zur Zucht warten bis die Tiere mindestens 1 Jahr alt sind, denn gerade Weibchen könnten leicht schaden nehmen.
Einen Teil unserer Papageiamadinen kann man in unseren Volieren als gesichert bezeichnen. Das gilt in größtem Maße für die Rotköpfige und die Dreifarbige. Aber auch Buntkopf, Peales und Forbes kann man durchaus als gesichert ansehen, wird diesen Arten doch genügend Interesse entgegengebracht, und es ist ausreichend Zuchtpotential vorhanden. Die Lauchgrüne scheint auf einem guten Weg in diese Richtung zu sein, die Ergebnisse unserer Nachzuchtstatistik deuten zumindest darauf hin.
Die übrigen Arten, Bambus, Papua, Manila, Kurzschwanz, Königs und Kleinschmidts, dürften zur Zeit wohl nicht in unseren Volieren vorhanden sein. Inwieweit und ob überhaupt noch mal Importe dieser Arten zu erwarten sind, ist durch das Importverbot eher unwahrscheinlich. Wir sollten auch nicht versuchen diese Arten mit aller Gewalt zu importieren, denn im Vordergrund sollte doch die Population in freier Wildbahn stehen. Wenn wir diese durch Importe gefährden würden, müßten wir darauf verzichten.
Alles in allem sind die Papageiamadinen recht ansprechende und interessante Vögel, um die man sich doch etwas intensiver bemühen sollte. Es müssen nicht immer Mutationen sein, die ja mittlerweile auch bei den Papageiamadinen vorhanden sind, die gezüchtet werden, sondern es sollten vorrangig wildfarbige Tiere sein. Das soll aber nicht heißen wir wollten die Mutationen vernachlässigen. Wenn bei Lebewesen Veränderungen in Form von Gefiederfärbung auftreten, ist es ein Zeichen dafür, daß diese Art in der Lage ist sich auf veränderte Lebensbedingungen einzustellen. Könnte sie dieses nicht müßte sie in freier Wildbahn aussterben. Nach dieser Regel sind alle Formen des Lebens in der Natur entstanden, demzufolge müssen wir mit den Mutationen leben.
AZ-AEZ IG Papageiamadinen
und australische
Prachtfinken
